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Graphit
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Graphit ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der âElementeâ. Er ist eine der natĂźrlichen Erscheinungsformen des chemischen Elements Kohlenstoff in Reinform und kristallisiert äuĂerlich gesehen im hexagonalen Kristallsystem (Genaueres siehe unter Kristallstruktur).
Graphit bildet undurchsichtige, graue bis schwarze Kristalle in sechseckiger, tafeliger, schuppiger oder stängeliger Form, die auf den Kristallflächen Metallglanz aufweisen. Massige oder kÜrnige Aggregate sind dagegen matt. Seine Mohshärte beträgt zwischen 1 und 2, seine Dichte etwa 2,09 bis 2,23 g/cm³, und er hat eine schwarze bis stahlgraue, glänzende Strichfarbe.
Contents
⢠Klassifikation
⢠Kristallstruktur
⢠Eigenschaften
⢠Recycling
⢠Verwendung
⢠Nukleargraphit
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Etymologie und Geschichte
Der Name Graphit leitet sich aus dem altgriechischen ÎłĎÎŹĎξΚν (graphein) ab, was schreiben bedeutet.cite-ref-l-schen-10-0[10] Er spielt damit auf die Tatsache an, dass Graphit auf Papier oder anderen rauen Oberflächen durch Abreibung der einzelnen Blättchen leicht eine graue Ablagerung hinterlässt, die im Bleistift ihre Anwendung findet. Abraham Gottlob Wernercite-ref-werner-11-0[11] prägte 1789 den Namen, der sich dann international in der mineralogischen Fachwelt durchsetzte und auch von der International Mineralogical Association (IMA) Ăźbernommen wurde.cite-ref-ima-liste-12-0[12]
Im Duden wird nach neuer deutscher Rechtschreibung die Schreibweise Grafit als empfohlene Schreibweise angegeben.cite-ref-duden-13-0[13] Gemäà der Empfehlung vom Rat fßr deutsche Rechtschreibung sind die Schreibweisen Graphit und Grafit allerdings gleichwertig.cite-ref-rat-f-r-rechtschreibung-3-1[3] Fachlich korrekt fßr den Mineralnamen ist jedoch nach wie vor die Schreibweise Graphit.cite-ref-ima-liste-12-1[12]cite-ref-lapis-4-1[4]
Die Verwendung von Graphit kann in Europa auf eine lange Tradition seit der prähistorischen Zeit zurßckblicken. Die ersten Hinweise einer Verwendung kennt man aus dem Mesolithikum Norditaliens. Rohgraphitstßcke wurden als Färbemittel benutzt und den Toten in die Gräber mitgegeben. Fßr das Neolithikum finden sich in BÜhmen zahlreiche Belege von Graphitton- und graphitierter Keramik. In Bayern fällt in der Frßhbronzezeit vor allem die Straubinger Kultur durch starken Graphitgebrauch auf.
In der späten Eisenzeit in Mitteleuropa (Latènezeit) wurde Graphit gerne verwendet, um GefäĂe, vor allem KochtĂśpfe, feuerfester zu machen. Es fand während dieser Zeit ein groĂflächiger Handel statt, der die gesamte Verbreitung der Latène-Kultur umfasste. Hier waren besonders die Vorkommen bei Passau und ÄeskĂ˝ Krumlov (ehemals Krummau) bedeutsam. Nach dem Zusammenbruch der keltischen Kultur in Mitteleuropa im Zuge der rĂśmischen Eroberung und der germanischen Expansion dauert es etwa 800 Jahre bis ins frĂźhe Mittelalter, bis im slawischen Ostmitteleuropa wieder im grĂśĂeren Stil Graphit verwendet wurde. In Asien (vor allem dem schon frĂźhzeitig schriftkundigen China) spielte Graphit als Schreibmaterial keine Rolle.
Im 16. Jahrhundert entdeckten die Engländer ein groĂes Vorkommen an reinem Graphit, welches sie jedoch fĂźr eine Form des Bleiminerals Bleiglanz hielten und Plumbago nannten. Erst Carl Wilhelm Scheele gelang 1779 der Nachweis, dass es sich bei Graphit um reinen Kohlenstoff handelt. Trotz Scheeles Nachweis hält sich der Begriff Bleistift bis heute (frĂźher auch ReiĂblei oder Wasserblei genannt). Da sich Graphit nicht nur als gutes Schreibmaterial, sondern auch als perfektes Material fĂźr Gussformen von Kanonenkugeln herausstellte, hatte er auch eine gewisse militärische Bedeutung. So wurde deshalb z. B. während der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts die Ausfuhr von Bleistiften von GroĂbritannien nach Frankreich verboten.cite-ref-sdw-14-0[14]
Im 20. Jahrhundert hat Graphit in der Kernphysik bzw. Kerntechnik Bedeutung erlangt, da es ein geeigneter Neutronenmoderator ist. Im Rahmen sowohl des Manhattan-Projekts als auch des deutschen Uranvereins wurde die Frage diskutiert, ob ein Natururanreaktor mit Graphit Kritikalität erreichen kann.cite-ref-15[15] Im Dezember 1942 gelang es in den USA einem Team um Enrico Fermi im Chicago Pile 1 (CP-1), eine sich selbst aufrecht erhaltende Kettenreaktion in einem graphitmoderierten Kernreaktor, welcher mit Natururan als Kernbrennstoff betreiben wird, zu erzeugen.cite-ref-news-uchicago-16-0[16] Genauer gesagt war der CP-1 Stapel mit verschiedenen Uran- und Graphitsorten beladen bzw. konfiguriert, welche in dem Experiment erprobt wurden.cite-ref-17[17] Wenig später, aber noch innerhalb des Manhattan-Projekts, wurde das fßr die Atombomben im Trinity-Test und fßr Fat Man spaltbare und synthetische Element Plutonium in einem graphitmoderierten Kernreaktor hergestellt.cite-ref-osti-gov-18-0[18] Viele weitere Kernreaktoren und Wiederaufarbeitungsanlagen wurden ab 1945 errichtet und betrieben, vgl. Hanford, Washington.
Da der Graphit bereits lange vor der GrĂźndung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Ăźbernommen und bezeichnet den Graphit als sogenanntes âgrandfatheredâ (G) Mineral.cite-ref-ima-liste-12-2[12] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Graphit lautet âGrâ.cite-ref-warr-1-1[1]
Klassifikation
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehĂśrte der Graphit zur Mineralklasse der âElementeâ und dort zur Abteilung âHalbmetalle und Nichtmetalleâ, wo er als einziger Vertreter in der Gruppe âGraphitâ mit der Systemnummer I/B.02a steht.
In der zuletzt 2018 Ăźberarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan WeiĂ, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/B.02-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung âHalbmetalle und Nichtmetalleâ, wo Graphit zusammen mit Chaoit, Diamant, Lonsdaleit und Moissanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/B.02 bildet.cite-ref-lapis-4-2[4]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisiertecite-ref-ima-liste-2009-19-0[19] 9. Auflage der Strunzâschen Mineralsystematik ordnet den Graphit in die Abteilung der âHalbmetalle (Metalloide) und Nichtmetalleâ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den Hauptelementen der eingruppierten Minerale, so dass Graphit entsprechend in der Unterabteilung âKohlenstoff-Silicium-Familieâ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.CB.05a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Graphit die System- und Mineralnummer 01.03.06.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung âElementeâ. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung âElemente: Halbmetalle und Nichtmetalleâ in der Gruppe âKohlenstoffpolymorpheâ, in der auch Diamant, Lonsdaleit und Chaoit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Graphit kommt in zwei polytypen Kristallstrukturen vor, die als Graphit-2H und als Graphit-3R bezeichnet werden.
Graphit-2H ist dabei in hexagonaler Symmetrie in der Raumgruppe P63/mmc (Raumgruppen-Nr. 194)Vorlage:Raumgruppe/194 orientiert mit den Gitterparametern a = 2,46 Ă
und c = 6,71 Ă
sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.cite-ref-strunznickel-5-2[5]
Die kristallinen, ebenen Schichten verlaufen parallel und liegen als sogenannte Basalebenen oder Graphen-Schichten. Eine Schicht besteht aus kovalent verknßpften Sechsecken, deren Kohlenstoff-Atome sp2-hybridisiert sind. Innerhalb dieser Ebenen beträgt die Bindungsenergie zwischen den Kohlenstoff-Atomen 4,3 Elektronenvolt, zwischen den Ebenen dagegen lediglich 0,07 Elektronenvolt. Aus dieser extremen Richtungsabhängigkeit der Bindungskräfte resultiert eine deutliche Anisotropie der mechanischen, elektrischen und thermischen Eigenschaften des Graphits:
⢠leichte Spaltbarkeit des reinen Graphits entlang der Basalebenen, deutlich hÜhere Festigkeit entlang der Kristallschichten;
⢠thermische und elektrische Isolation orthogonal zu den Basalebenen gegenßber einer fast metallischen Leitfähigkeit entlang der Ebenen.
Die Leitfähigkeit innerhalb einer Ebene wird durch die Delokalisation der Ď-Elektronen ermĂśglicht.
Die bekannten Schmiermitteleigenschaften von Graphit sind jedoch nicht nur strukturbedingt, denn sie treten nur in Gegenwart von Feuchtigkeitsspuren auf.cite-ref-yenschwickert-20-0[20]
Weisen die Ebenen keine feste Korrelation zueinander auf, spricht man von turbostratischem Kohlenstoff.
Im sogenannten Glaskohlenstoff liegen die Ebenen dagegen nicht planparallel wie die Seiten eines Buches, sondern wie geknĂźlltes Papier. Dieser Kohlenstoff ist hart und isotrop wie Glas, daher sein Name. Durch besondere Behandlung (Streckung von Kunststofffasern und anschlieĂendes Graphitieren) gelingt es, die Ebenen in Faserrichtung zu orientieren. Das Ergebnis sind hochfeste Kohlenstofffasern.
Fullerene und NanorĂśhren besitzen nur eine Basalebene, die im ersten Fall zu einer Kugel, im zweiten Fall zu RĂśhren gekrĂźmmt sind. Auch hier sind die Ăbergänge zum Graphit flieĂend. Weitere Schichten kĂśnnen sich zwiebelartig anlagern und ruĂartiges Pulver bilden.
Eigenschaften
Chemische Eigenschaften
⢠Bei etwa 600 °C und Anwesenheit von Sauerstoff entzßndet sich Graphit.cite-ref-sicherheitsdatenblatt-22-0[22]
⢠Bei einer Temperatur von ßber 2500 °C (in einer sauerstofffreien Umgebung) wird Graphit plastisch verformbar.cite-ref-roempp-23-0[23]
⢠Bei einer Temperatur von 3750 °C (in einer sauerstofffreien Umgebung) sublimiert Graphit.cite-ref-roempp-23-1[23]
Graphit ist beständig gegen nichtoxidierende Säuren und ist diamagnetisch. Auffällig ist das stark anisotrope Verhalten von Graphit, insbesondere hinsichtlich Härte und elektrischer Leitfähigkeit.
Magnetische Suszeptibilität
Graphit hat eine negative magnetische Suszeptibilität und ist daher diamagnetisch. Der Betrag der Suszeptibilität und damit das Ausmaà an Diamagnetismus von Graphit hängt von der Qualität des Graphits und seiner Orientierung im Magnetfeld ab.
Bei Ausrichtung senkrecht zu den Atomlagen liegt sie bei Ď Ď V {\displaystyle \chi _{V}} = â450 ¡ 10â6 cite-ref-simon-geim-24-0[24] fĂźr pyrolytischen Graphit bis zu Ď Ď V {\displaystyle \chi _{V}} = â595 ¡ 10â6 cite-ref-erich-wintermantel-25-0[25] fĂźr hoch-orientierte Formen. Bei Ausrichtung parallel zu den Atomlagen liegt die Suszeptibilität bei Ď Ď V {\displaystyle \chi _{V}} = â85 ¡ 10â6 cite-ref-simon-geim-24-1[24] fĂźr pyrolytischen Graphit. Bei polykristallinem Graphit (z. B. RuĂ, Glaskohlenstoff) ist die Suszeptibilität isotrop und die Werte mitteln sich Ăźber die verschieden ausgerichteten Einkristalle. FĂźr RuĂ ergibt sich z. B. eine Suszeptibilität von Ď Ď V {\displaystyle \chi _{V}} = â204 ¡ 10â6 .cite-ref-erich-wintermantel-25-1[25]
Graphit ist damit bei senkrechter Ausrichtung das am stärksten diamagnetische Element. Es ist aber immer noch rund 2000 Mal schwächer als ideale Diamagneten â wie z. B. Supraleiter â mit einer magnetischen Suszeptibilität von Ď Ď V {\displaystyle \chi _{V}} = â1. Je nach Form ist Graphit auch in polykristalliner Form noch stärker diamagnetisch als das nächststärkste diamagnetische Element Bismut.
Modifikationen und Varietäten
Vom Element Kohlenstoff sind vier Modifikation bekannt, die als natßrliche Bildungen (ohne menschlichen Einfluss) nachgewiesen werden konnten und daher als eigenständige Mineralart anerkannt sind. Neben dem in den zwei polytypen Schichtstrukturen Graphit-2H (hexagonal) und Graphit-3R (trigonal) vorkommenden Graphit sind dies noch
⢠Diamant, in kubischer Symmetrie
⢠Chaoit, in hexagonaler Symmetrie, jedoch mit vom Graphit-2H abweichender Raumgruppe und anderen Gitterparametern
⢠Lonsdaleit, mit ebenfalls hexagonaler Symmetrie und gleicher Raumgruppe wie Graphit-2H, jedoch mit anderen Gitterparametern.
Bildung und Fundorte
Natßrlicher Graphit entsteht durch eine Kombination aus Diagenese und Metamorphose (Kontakt- und Regionalmetamorphose) und durchläuft dabei die Prozesse der Inkohlung. Bedingungen dafßr sind organischer Kohlenstoff und hohe Temperaturen und Drßcke ßber Zeiträume von Jahrmillionen.cite-ref-regelousholzf-rster-26-0[26]
Das Ausgangsmaterial des Graphits sind kohlenstoffhaltige Sedimente (z. B. Pflanzen- oder Faulschlammasse), deren Kohlenstoffgehalt durch Inkohlung auf bis zu 90 % angereichert wird. Die Anreicherungsprozesse kĂśnnen unter relativ niedrigen DrĂźcken und Temperaturen ablaufen (Diagenese). FĂźr die endgĂźltige Entstehung von Graphit bedarf es aber hoher Temperaturen und DrĂźcke, um den amorphen Kohlenstoff in kristallinen Kohlenstoff umzuwandeln. Solche Bedingungen kĂśnnen ausschlieĂlich durch metamorphe oder magmatische Prozesse erreicht werden und mĂźssen anoxisch ablaufen, da Kohlenstoff bei erhĂśhten Temperaturen ansonsten Verbindungen mit Sauerstoff eingeht und als Kohlenstoffmonoxid oder Kohlenstoffdioxid entweicht.cite-ref-regelousholzf-rster-26-1[26]
Graphit kommt daher bevorzugt in metamorphen Gesteinen vor, die in plattentektonischen Kollisionsgebieten während der Gebirgsbildung aus sedimentären Ausgangsgesteinen entstanden sind.cite-ref-regelousholzf-rster-26-2[26] Durch Regionalmetamorphose gebildete Graphitvorkommen befinden sich linsen- oder nestartig abgetrennt im Umgebungsgestein, durch Kontaktmetamorphose gebildetes Graphit kann auch in Pegmatiten sowie in Kalk- und Sandsteinen vorkommen.cite-ref-steine-und-minerale-27-0[27] Weiterhin kann Graphit Bestandteil von Meteoriten sein.
Nach der Entstehung wird Graphit in drei Arten eingeteilt:
⢠Der amorphe Graphit (amorphous graphite) ist ein sehr feinkÜrniger Graphit, der in KohleflÜzen, Tonsteinen und Schiefern vorkommt.
⢠Der Ganggraphit (vein graphite) ist der seltenste Graphit, er bildet sich in Pegmatitgängen und Spalten, in denen bei bereits relativ niedrigen Temperaturen von etwa 500â600 °C verschiedene Minerale kristallisieren. Seine Entstehung ist noch umstritten, jedoch gilt die LĂśsung von kohlenwasserstoffhaltigem Material in wässrigen Fluiden mit anschlieĂender Auskristallisation fĂźr am wahrscheinlichsten.cite-ref-regelousholzf-rster-26-3[26]
Es existieren zahlreiche Graphitfundorte weltweit.cite-ref-fundorte-28-0[28] Von wirtschaftlicher Bedeutung sind aber vor allem die Volksrepublik China, Korea, Madagaskar, Simbabwe, Brasilien und Indien sowohl im Tagebau als auch unter Tage. Im Jahr 2021 wurden rund 1,17 Millionen Tonnen gefĂśrdert.cite-ref-world-mining-2023-29-0[29]
In Europa gibt es zurzeit nur noch wenige aktive Graphitbergwerke. In der Ukraine, in Norwegen und in Tschechien wird makrokristalliner Graphit in unterschiedlicher Qualität unter Tage abgebaut. Beim makrokristallinen Graphit sind die einzelnen Graphitkristallitpakete (Flocken) gut erhalten und sichtbar. In Ăsterreich wurden dagegen mikrokristalline Graphite gewonnen, deren Kristalle nicht so deutlich ausgeprägt sind.
Ăsterreich nahm in den 1960er-Jahren den nach SĂźdkorea zweiten Platz unter den graphitfĂśrdernden Ländern ein (HĂśchststand 1964 mit etwa 100.000 Tonnen FĂśrderung). Der grĂśĂte Bergbau befand sich in Kaisersberg bei Sankt Stefan ob Leoben in der Steiermark. Er wurde 1997 stillgelegt; seit FrĂźhjahr 2008 wird im dortigen Marie-Stollen wieder gearbeitet. Bis 1991 bestand in Sunk bei Trieben im Paltental (Steiermark) ein Bergbau, in dem Graphit mit einem sehr hohen Kohlenstoffanteil von zum Teil Ăźber 85 % gewonnen wurde. Weitere kleine Graphitbergbaue bestanden bis in die 1970er-Jahre am Semmering, im Liesingtal (Steiermark), im Dunkelsteiner Wald (NiederĂśsterreich) sowie im Waldviertel, wo das seit 1831 in Abbau stehende Vorkommen in MĂźhldorfcite-ref-familie-wimmer-30-0[30] am bedeutendsten war. Aktuell (2022) ist der Untertagebergbau in Sankt Stefan ob Leoben der einzige aktive Graphitbergbau in den Alpencite-ref-bmlrt-31-0[31], wobei die dort abgebaute Menge je nach Quelle mit 100 tcite-ref-world-mining-2022-32-0[32] und einmal mit 500 tcite-ref-usgs-2022-33-0[33] fĂźr das Jahr 2020 angegeben wird.
In Deutschland war und ist der Graphit-Bergbau von KropfmĂźhl im Landkreis Passau bedeutsam. Am 21. Juni 2012 wurde das dortige Graphitbergwerk offiziell wiedererĂśffnet, denn der Abbau wurde, laut einer Pressemitteilung des Unternehmens, aufgrund der steigenden Nachfrage nach Graphit und der Preisentwicklung am Weltmarkt wieder rentabel.cite-ref-dgap-de-34-0[34] Die in Deutschland abgebauten Mengen betrugen 2020 je nach Quelle 108 tcite-ref-world-mining-2022-32-1[32] bis 300 tcite-ref-usgs-2022-33-1[33].
| Land | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 |
|---|---|---|---|---|---|
| | (in Tonnen ) | (in Tonnen ) | (in Tonnen ) | (in Tonnen ) | (in Tonnen ) |
| Osterreich Ăsterreich | 150 | 150 | 100 | 100 | 100 |
| Brasilien Brasilien | 95.000 | 78.981 | 81.770 | 67.020 | 78.555 |
| Deutschland Deutschland | 422 | 222 | 207 | 108 | 181 |
| China Volksrepublik Volksrepublik China | 625.000 | 630.000 | 700.000 | 665.000 | 735.000 |
| Indien Indien | 33.649 | 39.030 | 34.674 | 35.386 | 57.264 |
| Kanada Kanada | 14.000 | 11.000 | 11.045 | 7.620 | 7.700 |
| Kolumbien Kolumbien | | 0 | 135 | 0 | 0 |
| Madagaskar Madagaskar | 13.300 | 52.951 | 45.106 | 61.405 | 88.110 |
| Mexiko Mexiko | 10.310 | 4.130 | 2.342 | 2.033 | 1.778 |
| Mosambik Mosambik | 802 | 104.000 | 153.000 | 18.159 1 | 77.116 |
| Namibia Namibia | 2.216 | 3.456 | 0 | 0 | 0 |
| Korea Nord Nordkorea | 50.000 | 45.000 | 45.000 | 45.000 | 30.000 |
| Norwegen Norwegen | 9.600 | 10.000 | 9.780 | 5.549 | 6.293 |
| Russland Russland | 19.500 | 11.900 | 17.500 | 12.900 | 17.300 |
| Sri Lanka Sri Lanka | 3.800 | 3.800 | 3.100 | 2.500 | 3.200 |
| Korea Sud SĂźdkorea | 0 | 670 | 302 | 3.052 | 18.297 |
| Turkei TĂźrkei | 4.000 | 16.752 | 9.990 | 15.205 | 28.336 |
| Ukraine Ukraine | 13.000 | 15.000 | 10.000 | 10.000 | 17.000 |
| Vietnam Vietnam | 0 | 1.500 | 3.500 | 3.700 | 1.200 |
| Simbabwe Simbabwe | 1.577 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Gesamt | 896.326 | 1.028.542 | 1.127.551 | 954.737 | 1.167.430 |
VorĂźbergehende MinenschlieĂungen wegen der
COVID-19-Pandemie
Synthetische Herstellung
Durch Verkoken kohlenstoffhaltiger Materialien entstehen graphitierbare Kohlenstoffe. Ausgangssubstanzen sind zum Beispiel Braunkohle, Steinkohle, ErdÜl und Peche, aber auch Kunststoffe. Bei der Graphitierung erfolgt durch Erhitzen unter Luftabschluss auf etwa 3000 °C eine Umwandlung vom amorphen Kohlenstoff zum polykristallinen Graphit.
KĂźnstlich hergestellter Graphit ist auch als Acheson-Graphit bekannt. Bedeutende Hersteller sind unter anderem Showa Denko Carbon, SGL Carbon, Schunk Kohlenstofftechnik (Deutschland), Imerys (Schweiz), TĹkai Carbon (Japan), Morgan Advanced Materials (GroĂbritannien) und TĹyĹ Tanso (Japan).
hopg Highly ordered pyrolytic graphite (HOPG) ist eine sehr reine Form von Graphit.
Recycling
Auch bei Graphit spielt Recycling eine wichtige Rolle, recycelter Graphit von Gussformen, Ofenauskleidungen und Graphitelektroden wird vor allem fßr Bremsbeläge und thermische Isolierungen verwendet. Das Recyclingpotential ist noch ausbaufähig, wird derzeit aber auf Grund reichlich vorhandener weltweiter Graphitmengen nicht ausgeschÜpft.cite-ref-usgs-2022-33-3[33]
Verwendung
Graphitelektroden
2011 wurden 42 % aller synthetischen Graphite zu Elektroden verarbeitet. So werden fĂźr die Herstellung einer Tonne Elektrostahl im Durchschnitt 2â2,5 kg Graphit verbraucht.cite-ref-bertau-et-al-36-0[36]
⢠Elektrode im Lichtbogenofen (zur Elektrostahlgewinnung)
⢠Elektroden fßr die Aluminium-Herstellung (Hall-HÊroult-Prozess)
⢠Kohlebßrste in elektrischen Motoren
⢠negative Elektrode von Lithium-Ionen-Zellen
⢠positive Elektrode von Zink-Kohle-Primärzellen
⢠Elektrode beim Senkerodieren
⢠Schleifleisten auf dem Stromabnehmer von Schienenfahrzeugen
⢠Raderdungskontakte auf Schienenfahrzeugen
⢠Elektrode in Kohlebogenlampen
Nukleargraphit
Siehe auch
:
Graphitmoderierter Kernreaktor
Graphit wurde und wird in hochgereinigter Form in vielen Kernreaktor-Varianten der 1. und 2. Generation als Moderator eingesetzt.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38] In den deutschen, inzwischen stillgelegten Kugelhaufenreaktoren Versuchsreaktor JĂźlich und THTR-300 diente Graphit zugleich als Moderator und Brennelementmatrix.
Nukleargraphit war zum Beginn des Atomzeitalters gĂźnstig und in groĂen Mengen von der Chemieindustrie lieferbar. Es erfĂźllt die Anforderungen eines Moderators. Das Material ist jedoch reaktionsfähig mit Wasserdampf (> 900 °C) unter Bildung brennbarer Gase und neigt zu energetischen Instabilitäten, auch bekannt als Wigner-Energie.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
In diesem Zusammenhang stehen die Reaktorunfälle Windscale 1957 und Tschernobyl 1986. Beide graphit-moderierten Kernreaktoren, jedoch unterschiedlicher Bauart, verwendeten Nukleargraphit als Moderator. Das Material war jedoch nicht die Hauptursache an den Unfällen.
Da hochreines Graphit (Nukleargraphit) fßr Kernreaktoren zur Erzeugung von Plutonium genutzt werden kann, steht es unter entsprechenden Ausfuhrkontrollen, ähnlich wie dies fßr schweres Wasser als Moderator, der Fall ist.cite-ref-41[41]
In dem Jahr 2006 schätzte man weltweit 250.000 t bestrahlten, d. h. in Kernreaktoren durch Neutronen bestrahlten, Nukleargraphit. Davon in Deutschland ca. 1000 t. Fßr das bestrahlte Material ist wegen seines hohen Gehalts an Kohlenstoff-14, ein radioaktives Isotop mit einer Halbwertszeit von 5700 Jahren, noch keine Ükonomisch akzeptable Entsorgungs- bzw. Endlagerstrategie umgesetzt.cite-ref-fachinger-et-al-42-0[42]
Im Sinne einer modernen Anwendung, verspricht die sog. Diamantbatterie â gegebenenfalls nach isotopischer Anreicherung â Nukleargraphit eben gerade aufgrund der Radioaktivität von 14C zu nutzen.cite-ref-oberhaus-43-0[43]cite-ref-popularmechanics-com-44-0[44]
Weitere VerwendungsmĂśglichkeiten
Graphit wird vielfältig genutzt als
⢠Bleistiftmine, auch ohne Holzumhßllung fßr kßnstlerische Grafik
⢠Festschmierstoff
⢠Werkstoff fßr selbstschmierende Lager und Dichtungen
⢠Fßller zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit und zum Herabsetzen des Reibbeiwertes von Kunststoffen
⢠Schmelztiegel
⢠GieĂform
⢠thermisch hochbelastbare Ofenauskleidung
⢠Standardsubstrat in der Rastertunnelmikroskopie unter Umgebungsbedingungen.
⢠Waffe in Form von Graphitfäden zum KurzschlieĂen der feindlichen Stromversorgung (Graphitbombe)
⢠korrosionsbeständiger Werkstoff in der chemischen Industrie
⢠Wanne und Elektroden bei der Aluminiumherstellung (Schmelzflusselektrolyse)
⢠Legierungselement in Gusseisen â metallurgische Ausscheidungsphase (Kugelgraphit, Lamellengraphit)
⢠Phasenwechselmaterial
⢠Diabon ist ein aus Graphit bestehender Werkstoff
⢠Absorbermaterial fßr hochenergetische Teilchen (z. B. am LHCcite-ref-yurkewicz-45-0[45])
Siehe auch
Literatur
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⢠Petr Korbel, Milan Novåk: Mineralien-Enzyklopädie (= DÜrfler Natur). Edition DÜrfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 15.
Weblinks
Commons
: Graphit
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Graphit
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
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Einzelnachweise
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